Silvan Rudolf: «Ich liebe solche Aufgaben»

  • 28.08.2019

Er ist mit 31 Jahren der jüngste Trainer der Promotion League: Silvan Rudolf strebt mit dem FC Köniz einen Platz im Mittelfeld an. Mit drei Siegen ist der Start überaus gelungen.

Wenn Silvan Rudolf am Montag zur Arbeit geht, beschäftigt er sich mit dem, was ihm am liebsten ist: mit Fussball. Er ist nicht Profi-Fussballer, nicht Profi-Trainer, Sportchef auch nicht, und doch bestreitet er sein Haupteinkommen mit Fussball. Beim SFV ist er Materialwart und damit zuständig für die Ausrüstung aller Auswahlen.

Wenn Rudolf seinen Arbeitsplatz im Kellergeschoss in Muri verlässt, hat er nicht genug von Fussball, nein, dann setzt er sich in anderer Form und sehr intensiv damit auseinander, denn: Er ist seit Anfang Jahr Trainer des FC Köniz in der Promotion League. Vier Mal pro Woche bittet er seine Mannschaft zum Training, am Wochenende steht der Match im Zentrum wie zum Beispiel jener in Runde 4 gegen Sion ll.

Meistens sitzt er auf der Bank (die wirklich noch eine Bank ist), gibt aufmunternden Applaus, erhebt sich und ruft einmal: «Qualität!» Köniz führt früh 1:0, nach 40 Minuten 2:0, ehe die Walliser noch vor der Pause verkürzen. Aber die Berner zeigen eine bemerkenswerte Leidenschaft, und sie bringen den Vorsprung auch über die Distanz, weil sie mit Joschua Neuenschwander einen überragenden Goalie haben. Die Tabelle liest sich für sie erfreulich: Sie belegen nach drei Siegen in vier Partien Platz 3.

Rudolf lobt die Spieler nach dem Abpfiff im Kreis, strahlend wünscht er ihnen einen schönen Ausgang: «Geniesst es, gebt Gas!» Später sagt er: «Sie haben sich das verdient.» Er ist angetan vom Kampfgeist, der für ihn ein zentraler Faktor ist: «Wir können in dieser Liga nur gemeinsam etwas erreichen - wenn jeder bereit ist, für den anderen zu arbeiten.» Und was gönnt er sich am Abend, er, der Trainer? «Ruhe», sagt er, «das Spiel hat mich ziemlich mitgenommen.» Auf der Stirn haben sich Schweissperlen gebildet.

Rudolf ist 31 und vernarrt in den Fussball. Er wächst im solothurnischen Selzach auf, spielt im lokalen FC, verteidigt in der 2. Liga inter bei Wacker Grenchen, und wird früh Trainer. Mit 17 hilft er bei den Selzacher E-Junioren mit, bei Wacker betreut er die B- und A-Junioren, 2014 übernimmt er das damalige Team Bern West, wechselt zum FC Grenchen, wird Anfang 2018 Technischer Leiter beim FC Köniz, im Sommer jenen Jahres Trainer von Köniz ll - und sechs Monate später erfolgt die Beförderung in die erste Mannschaft.

Als Materialchef reiste er mit der Nationalmannschaft noch mit an die EM nach Frankreich und an die WM nach Russland. Aber das geht jetzt nicht mehr. «Es lässt sich zeitlich nicht mehr vereinbaren mit meinem Job in Köniz», sagt er. Rudolf hat Ambitionen, besitzt das A-Diplom und ist für den Berufstrainer-Lehrgang angemeldet. Er ist in einer anspruchsvollen Liga tätig, sagt aber: «Ich liebe solche Aufgaben.» Mutig will er sein, so soll auch sein Team sein: «Wenn wir uns im Mittelfeld etablieren wollen, dürfen wir uns nicht verstecken.»

Jürgen Klopp macht ihm Eindruck, «weil er einen guten Umgang mit den Spielern hat». Pep Guardiola imponiert ihm, «weil er taktisch überragend und mit Akribie bei der Sache ist». Aber Rudolf will schon gar nicht den Versuch unternehmen, jemanden zu kopieren, sondern seiner eigenen Linie treu bleiben.

Übrigens: Der Tag nach dem 2:1 gegen Sion beginnt für ihn mit einer Fahrt nach Zürich. Er bringt Material für die U-17 an den Flughafen. Und am Nachmittag ist er Zaungast bei Münsingen - Bavois. Am Montag ist er beim SFV wieder an der Arbeit, und am Abend ist er wieder ganz der Trainer. Videoanalyse vom Wochenende, Einstimmen auf die Partie am Mittwoch in Yverdon. Fussball, Fussball, Fussball - Rudolf gefällts: «Es macht einfach Spass.»

(pmb)

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